Klassische Ausstiegsmuster im Rechtsextremismus

Am Anfang steht der Zweifel. Will ein Mitglied aus der rechtsextremen Szene aussteigen, geht dem meist ein längerer Denkprozess voraus. Für Familie, Freundeskreis und das weitere Umfeld wie Schule oder Sportverein ist es in manchen Fällen durchaus möglich, einen rechtsextrem orientierten Jugendlichen durch Impulse von außen nachdenklich zu machen und zu verdeutlichen, dass er da ein falsches Spiel mitspielt.

Dr. Dierk Borstel,  Wissenschaftler am Institut für Konflikt- und Gewaltforschung Bielefeld und ehemaliger Mitarbeiter der Aussteigerinitiative Exit nennt folgende klassische Ausstiegsmuster:

  1. Das Szenemitglied entdeckt eine Kluft zwischen Theorie und Wirklichkeit. Kameradschaft, Treue, Ehre – in der rechtsextremen Szene werden Werte auf die Fahnen geschrieben, die Jugendliche zunächst beeindrucken können – in der Realität von den Kameraden aber oft nicht eingehalten werden. Macht ein Mitglied in der Hinsicht schlechte Erfahrungen mit der Gruppe, kann dies Zweifel am ganzen Projekt auslösen.
  2. Freunde oder Partner überzeugen das Szenemitglied. Besonders neue Partnerinnen können ein wichtiger Grund für Szenemitglieder zum Ausstieg sein. Toleriert eine Freundin die extremen Ansichten des Freundes nicht, ist das mitunter ein Anreiz zum Umdenken, schon um die Partnerin nicht zu verlieren.
  3.  Das Szenemitglied steckt in einer Lebenskrise. Gefängnisstrafen, Arbeitslosigkeit, verlorengegangene Beziehungen etwa zur Familie oder Gewaltverstrickungen können beim Szenemitglied zu Zweifeln führen oder auch zu einer handfesten Depression, die eine Entscheidung zum Ausstieg auslösen können.
  4.   Das Szenemitglied ist ideologisch enttäuscht. Widersprüche in den Argumentationen der Kader oder Begegnungen und Erfahrungen, die vorige Einstellungen über den Haufen werfen,  können Mitglieder zur Abkehr von der Szene bewegen.

Wichtig für einen Ausstieg ist, dass sich dahinter nicht ein großes Loch auftut. Beim Ausstieg sollte immer versucht werden, einen Einstieg in ein anderes Leben zu schaffen, sonst ist die Gefahr zu scheitern groß.

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