Glossar

Autonome Nationalisten

Die rechtsextremen Autonomen Nationalisten tauchen seit etwa 2002 auf und sind aus den "Freien Kameradschaften" hervorgegangen.

Diese losen Kleingruppen von durchschnittlich 15 bis 30 Akteuren wurden seit Anfang der 90ger Jahre als Reaktion auf Verbote von rechtsextremen Organisationen gegründet. Sie propagieren eine strikt antiparlamentarische Politik und radikale Kampfformen. Für den Bundesverfassungsschutz stellen ''Autonome Nationalisten'' weniger eine ideologische, als vielmehr eine strategisch-aktionistische Neuerung im Rechtsextremismus dar. In einem Demonstrationsaufruf der ''Autonomen Nationalisten'' von 2004 hieß es: ''Der nationalrevolutionäre, schwarze Block unterscheidet sich nicht hauptsächlich durch sein Äußeres von den anderen Demonstrationsteilnehmern, sondern durch die revolutionären Inhalte und Aktionen (Blockaden, Besetzungen und Verweigerungen etc.): Wir glauben nicht daran, dass das kapitalistische System reformiert oder verbessert werden kann - das vorherrschende System IST der Fehler …“.

Schon das in der Regel schwarze Outfit der ''Autonomen Nationalisten'' zeugt von Bereitschaft zu Militanz. Die Basecap tief in die Stirn gezogen, die Kapuze auf dem Kopf, Handschuhe und Sonnenbrille auch im Sommer und das ganze in Schwarz, oft verbunden mit verbaler oder auch tatsächlicher Gewalt. ''Autonome Nationalisten'' deklarieren ihre Gewalt als Reaktion auf staatliche Gewalt und Notwehr: ''Wo Willkür gegen Nationalisten zur Praxis wird, sollte die Polizei und der politische Gegner mit Widerstand und Gegenwehr rechnen müssen .. Ein nationaler schwarzer Block ist einer von vielen Formen, den Widerstand effektiv auf die Straße zu tragen.'', hieß es beispielsweise in einer Erklärung des (mittlerweile aufgelösten) ''Aktionsbündnis Mittelhessen“.

Kleidungsstil und Aktionsformen der linksradikalen Autonomen werden von den ''Nationalisten'' übernommen und umgewandelt, um sich so in der Masse besser tarnen zu können und zugleich das klassische Image Rechtsextremer als kahlköpfige Skinheads abzulegen. Dabei wird sich ungeniert bislang links verorteter Parolen und Logos bedient. So kopierten sie das Logo antifaschistischer Hardcore Punk-Anhänger und ersetzten den Schriftzug ''Good night - white pride'' durch ''Good night - left side''. Sie propagieren fast im gleichen Wortlaut ''Kapitalismus zerschlagen, Autonomen Widerstand organisieren'' und ''Statt neue Weltordnung - Revolution'' oder sie verwenden (in der Szene unübliche) Anglizismen oder Elemente der Hip-Hop-Kultur.

Ideologische Grundsatzpapiere der AN sind eher die Ausnahme, eher pauschal ist von nationalrevolutionären Zielen die Rede und gerne skandiert wird die Parole: "Nationaler Sozialismus jetzt, jetzt, jetzt!". Mittlerweile sind die AN schon fast auf jeder Neonazi-Demonstration vertreten. Und das teilweise in großer Anzahl. Das Verhältnis der AN zur NPD ist ambivalent, gegenseitige Beschimpfungen (''Bonzendemokraten“, ''Systemknechte'' versus ''bolschewistische Maulwürfe'', ''anarchistische Erscheinungsformen“) sind nicht unüblich. Im August 2007 versuchte sich die NPD mit einer Erklärung ''Unsere Fahnen sind schwarz - unsere Blöcke nicht!“ von den Autonomen zu distanzieren, konnte diese Linie aber nicht durchhalten. Die Rechts-''Autonomen“ pflegen bewusst den antibürgerlichen Gestus. Der überwiegende Teil der Aktivisten dieses Spektrums ist zwischen 18 und 30 Jahre alt und damit deutlich jünger als die meisten Wortführer des neonazistischen Spektrums. Mit ihrem Elan und ihrer Aggressivität wollen sie Jüngere für die braune Sache gewinnen. Dabei spielt es für sie ''keine Rolle, welche Musik man hört, wie lang man seine Haare trägt oder welche Klamotten man anzieht'', vielmehr gehe es darum, ''alle relevanten Teile der Jugend und der Gesellschaft zu unterwandern und für unsere Zwecke zu instrumentalisieren“, heißt es in einer Erklärung vom März 2007 (www.ab-west.net). (gn,hk-01/2010)

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