Glossar

Autoritarismus

Autoritarismus ist ein sozialpsychologischer Begriff, der sich auf die Persönlichkeitsstruktur von Individuen bezieht.

Wegbereiter in der Autoritarismusforschung war Theodor W. Adorno, der 1950 mit "Die Autoritäre Persönlichkeit" ein Standardwerk vorgelegt hat. Nach Adorno bilden sich autoritäre Charakterzüge vor allem durch Sozialisation im Elternhaus heraus und stellen einen entscheidenden Faktor in der Herausbildung faschistischer und antidemokratischer Einstellungen dar.

In der Forschung wird Autoritarismus als eine Mischung aus verschiedenen Einstellungskomplexen und -prädispositionen verstanden. Von grundlegender Bedeutung dabei sind: Tendenzen zur Submission (Unterwerfung unter Autoritäten), zur Aggression und zum einem übersteigerten Konventionalismus (starre Bindung an tradierte mittelständische Werte und Normen). Personen mit autoritären Einstellungen gelten wiederum selbst als leicht durch Autorität zu beeinflussen, fordern aber auch von anderen Unterordnung unter die bestehende Autorität.

Diese Tendenzen können rechtsextremistischen Orientierungen geeigneten Anschluss bieten, indem sie zu einer starken Bindung an Autoritäten führen. Gegenüber schwächeren Personen wird wiederum ein abwertend-aggressives Verhalten an den Tag gelegt. Solche Aggression können sich gegen andere Ethnien, aber auch gegen andere Aggressionsziele richten, die in der Regel schwächer und minderwertiger, als man selbst empfunden wird. Dabei wird die ausgeübte Aggression als von der Autorität sanktioniert wahrgenommen. Intensive Forschungen über rechtem Autoritarismus betreibt Bob Altemeyer, Professor für Psychologie an der Universität von Manitoba in Kanada (Altemeyer, B.: Enemies of Freedom - Understanding Right-Wing Authoritarianism (RWA), San Francisco 1988). (hk-01/2010)

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