Glossar

Ethnopluralismus

Der Begriff ''Ethnopluralismus'' ist ein politischer Kampfbegriff der ''Neuen Rechten'', um Ausgrenzung durch eine völkische Form von Rassismus zu legitimieren.

Diese neurechte Ideologie begründet die von Rechtsextremen propagierte Ungleichwertigkeit von Menschen nicht durch Rassetheorien, sondern unterscheidet sie durch kulturelle Identitäten. Ein jeder habe nur in den ''angestammten Territorien der Völker'' bzw. "Ethnien" seinen festen Platz. Beim Versuch, sich von rechtsextremistischen Auswüchsen nationalsozialistischer Prägung zu distanzieren, greifen Vertreter der "Neuen Rechten" gerne auf dieses Argumentationsschema zurück. Geprägt hat den Begriff der Kultursoziologe Henning Eichberg, der seit 1982 in Dänemark lebt und lehrt.

Grundlegende Annahme des ''Ethnopluralismus'' ist die Verschiedenartigkeit der Völker der Erde. Biologistische Argumentationsmuster, wie sie im Nationalsozialismus verwendet wurden, werden dabei bewusst vermieden. Ethnopluralisten behaupten also nicht, dass die Menschen sich aufgrund ihrer Rasse unterscheiden. Vielmehr berufen sie sich auf kulturelle, regionale und geographische Einflussfaktoren, die die Völker verschiedenartig prägen. Ergebnis ist eine Völkervielfalt, die es zu schützen gelte. Der Ethnopluralismus übersteigert in einem ersten Schritt also die Vielfalt der Kulturen und Völker.

In einem zweiten Schritt geht der Ethnopluralismus davon aus, dass jeglicher Kontakt zwischen den Völkern negative Auswirkungen hat: Durch Migrationsprozesse werde diese Völkervielfalt permanent bedroht. Es bestehe damit die Gefahr, dass Menschen entwurzelt und kulturelle Identitäten vernichtet würden. Positive Auswirkungen kann der Ethnopluralismus dem Kontakt zwischen den verschiedenen Ethnien nicht abgewinnen. In letzter Konsequenz fordert er also eine absolute Trennung der Völker.

Auch universelle Wertmaßstäbe, wie sie zum Beispiel in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert sind, werden im Ethnopluralismus nicht anerkannt. Jedes Volk, so die Prämisse, habe einen derart unterschiedlichen Hintergrund, das es seine Wertmaßstäbe aufgrund seiner eigenen Erfahrungen und Bedürfnisse entwickeln müsse.

Das Individuum spielt im ethnopluralistischen Konzept keine Rolle. Stattdessen wird negiert, dass Menschen abseits ihrer ethnischen Herkunft jeweils unterschiedliche Wertmaßstäbe, Denk- und Lebensweisen entwickeln. Abgelehnt wird auch das republikanische Prinzip, nach dem das Bekenntnis zu Republik und den Werten der Verfassung ausreichen.

Die Größen Ethnie/Volkszugehörigkeit und Kultur nehmen im Ethnopluralismus einen alles dominierenden Faktor dar. Letztendlich versucht der Ethnopluralismus mit dem gezielten Einsatz von Bedrohungsszenarien, die Einrichtung ethnisch homogener Nationalstaaten und die Ausweisung alles ''Fremden'' zu rechtfertigen. Dabei vermeiden neurechte Theoretiker altrassistische Konzepte wie ''Rasse'' und ''Blut''. Die im Ethnopluralismus postulierte Größe der Volkszugehörigkeit rechtfertigt aber ebenso Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit. Insofern ist Ethopluralismus nur eine Verschleierung von Rassismus. (hk-02/2010)

Tipps

Nach oben